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Montag, 14. September 2026

Ist die geopolitische Lage die dritte Säule der sozialen Marktwirtschaft ?

 Diese Frage bezieht sich auf einen konkreten Beitrag – auf dem Beitrag von mir  aus dem Jahr 2020, in dem ich argumentierte, dass die soziale Marktwirtschaft auf zwei Säulen ruht, nämlich die Demokratie und Energieerzeugung – und jetzt denke ich nach, ob doch die soziale Marktwirtschaft eine dritte Säule, die geopolitische Lage, braucht, um stabil die Herausforderungen der Welt von Heute zu überleben. Um die Frage zu beantworten, versuche ich hier weiter, die Fakten zu analysieren.

  1. Kernthese: geopolitische Sicherheit als ordoliberale Rahmenbedingung
    Es gibt keine einheitliche, allgemein anerkannte Taxonomie über die Demokratie. International IDEA unterscheidet beispielsweise zwischen wahlbezogenen, liberalen, sozialen und partizipativen Konzepten und betrachtet gleichzeitig die direkte Demokratie als eigenständige, messbare Dimension.

    In diesem Kontext, der Ordoliberalismus ist kein eigenständiges Wahlauszählungsverfahren, sondern ein politisch-wirtschaftliches Verfassungsmodell. Die „ordoliberale Demokratie“ wird in der Regel nicht als eigenständige Verfassungsform der Demokratie im Sinne einer parlamentarischen oder präsidialen Demokratie eingestuft. Der Ordoliberalismus entstand in Deutschland in den 1930er- und 1940er-Jahren. Sein zentraler Gedanke war, dass weder der Staat noch unkontrollierte private Wirtschaftsmacht die Gesellschaft dominieren dürfen. Stattdessen sollte der Staat eine stabile verfassungsrechtliche und rechtliche Ordnung schaffen, innerhalb derer Wettbewerb stattfinden kann.

    Aus der ordoliberalen Rahmenlogik folgt eine präzise Verortung geopolitischer Sicherheit: sie ist keine neue konstituierende Norm, sondern eine äußere Rahmenbedingung („protective envelope"), die es den konstituierenden Prinzipien überhaupt erst ermöglicht, zu funktionieren. Damit bestätigt und präzisiert die ordoliberale Lehre die entwickelte Unterscheidung: Geopolitik ist ein dritter ermöglichender Säule, kein dritter normativer Grundsatz. Die Freiburger Schule hat diesen Gedanken implizit angelegt — die Marktordnung ist für sie eine Verfassungsordnung, die gepflegt und auch nach außen abgesichert werden muss. Es wäre jedoch überzogen, in Eucken schon eine ausgearbeitete Theorie der Geopolitik oder internationalen Sicherheit zu sehen; die Verbindung entsteht durch Anwendung seiner Rahmenlogik auf die heutigen Fragen.

  2. Ordoglobalismus: die Wirtschaftsverfassung für die Welt (nach Slobodian)
    Der Historiker Quinn Slobodian hat in Globalists nachgezeichnet, dass die ordoliberale Idee einer Wirtschaftsverfassung von der Geneva School auf die Weltskala übertragen wurde: Während die Ordoliberalen eine Wirtschaftsverfassung auf nationaler Ebene forderten, „called for an economic constitution for the world" — ein Vorhaben, das im WTO-System seinen Höhepunkt fand. Slobodian nennt dies „ordoglobalism" — den Versuch, durch bindende, mehrstufige Institutionen einen ordnungsrechtlichen Rahmen für die Welt der Nationalstaaten zu schaffen, der „catastrophic breaches" verhindert.
    Wichtig ist die Einordnung: „Ordoglobalismus" ist Slobodians historiographische, teils kritische Kategorie zur Rekonstruktion einer Geneva-School-Linie — kein Selbstbegriff Euckens oder Röpkes. Für die Säule-Frage bedeutet dies gleichwohl: In der ordoliberalen Tradition ist der Gedanke angelegt, dass die Marktordnung eines stabilen internationalen Verfassungsrahmens bedarf. Geopolitische Sicherheit ist in diesem Sinne keine moderne Zutat, sondern die Wiederentdeckung einer lange vernachlässigten Rahmenbedingung. Der heutige Befund der Fragmentierung ist damit kein Argument gegen die ordoliberale Lehre, sondern ein Anlass, den ordnungsrechtlichen Rahmen aktiv zu verteidigen.


  3. Die Marktordnung als Verfassungsordnung: der Rahmen als Kernbegriff
    Für Walter Eucken und die Freiburger Schule ist die Marktordnung „a non-discriminating, privilege-free order of competition," die als Verfassungsordnung verstanden wird: ihre Funktionseigenschaften hängen vom rechtlich-institutionellen Rahmen ab, in dem sie stattfindet (Vanberg, „The Freiburg School: Walter Eucken and Ordoliberalism," Walter Eucken Institut). Drei ordoliberale Grundgedanken sind für die Geopolitik-Frage aufschlussreich:
    - Der Staat als „Hüter der Wettbewerbsordnung." Der ordoliberale Staat hat die Aufgabe, den Rahmen der Wettbewerbsordnung aktiv zu errichten und zu erhalten. Ein „starker Staat" bedeutet dabei nicht einen autoritären Staat mit weitem Ermessensspielraum, sondern einen Staat, der durch eine politische Verfassung gebunden ist und so dem Rent-Seeking Interessengruppen widersteht (eucken.de).
    - Der Rahmen muss gepflegt werden. Franz Böhm verglich die Erhaltung der Wettbewerbsordnung mit Pflege und Gartenarbeit — sie ist „a political-cultural product based on a constitutional order requiring careful cultivation for its maintenance" (eucken.de). Geopolitische Instabilität ist daher kein externes Randphänomen, sondern eine Bedrohung der Rahmenbedingungen selbst.
    - Die Wettbewerbsordnung als öffentliches Gut. Jeder profitiert von einem funktionierenden Wettbewerbsrahmen, während jeder Einzelne ein Interesse an Ausnahmebestimmungen hat. Daraus folgt ordoliberal: der Rahmen — auch der internationale — bedarf bewusster, glaubhafter staatlich absichern.

  4. Euckens konstituierende Prinzipien und ihre geopolitische Verwundbarkeit 
    Euckens sechs konstituierende Prinzipien der Wettbewerbsordnung setzen einen stabilen äußeren Rahmen voraus. In heutiger Anwendung wird geopolitische Unsicherheit zur Bedrohung gerade jener Bedingungen, auf denen sie beruhen:

    Konstituierendes Prinzip    Geopolitische Voraussetzung (heutige Anwendung)
    Offene Märkte (Marktzugang, Wettbewerb)    setzt in heutiger Lesart auch sichere Handelswege, intakte Lieferketten und eine regelbasierte internationale Ordnung voraus.
    Primat der Währungspolitik (Geldwertstabilität)    kann durch Krieg, Sanktionen und Blockbildung destabilisiert werden, die die internationale Währungsordnung erschüttern.
    Konstanz der Wirtschaftspolitik (Vorhersehbarkeit)    kann durch geopolitische Volatilität (Konflikte, Sanktionen, Rohstoffwaffen) aufgehoben werden.
    Funktionierendes Preissystem    funktioniert nur bei ungestörten Märkten und intakten Lieferketten.
    Privateigentum    kann beeinträchtigt oder suspendiert werden, wenn Eigentumsrechte und Rechtsstaatlichkeit unter äußerer Bedrohung nachgeben.
    Haftungsverantwortung (Vertragsfreiheit unter Haftung)    bedarf funktionierender Vertragsdurchsetzung, die unter Krieg und Enteignung ausgesetzt werden kann.

    Fazit:
    Geopolitische Sicherheit ist eine Bedingung der Möglichkeit der konstituierenden Prinzipien, nicht selbst ein konstituierendes Prinzip. Sie ist die schützende Hülle, nicht ein Baustein der Verfassungsordnung im engeren Sinne. Also die ordoliberale Prinzipienlehre liefert dafür die dogmatische Grundlage, auch wenn Eucken die internationale Sicherheitsdimension selbst nicht systematisch ausgearbeitet hat.

  5.  Interdependenz der Ordnungen 
    Eucken betonte die Interdependenz der Ordnungen Rechtsordnung
    Wirtschaftsordnung und Gesellschaftsordnung sind systematisch verschränkt und  müssen zusammen gedacht werden (eucken.de). Diese Interdependenz lässt sich logisch auch auf die internationale Ordnung erstrecken: eine national Wettbewerbsordnung lässt sich auf Dauer schwer gegen eine instabile, fragmentierte Weltordnung isolieren. Eucken selbst nannte die Gestaltung „national und international" als einheitliches Problem. Das ist der ordoliberale Anlass, Geopolitik nicht als bloßes „Umfeld" abzutun, sondern als Teil der Rahmenbedingungen zu begreifen.

  6. Welche geopolitische Lage ist als Säule zu betrachten ?  
    Zusammenfassend liefert die ordoliberale Rahmenlogik eine präzise dogmatische Antwort auf die Frage des vorherigen Blogs
    - Geopolitische Sicherheit ist eine dritte ermöglichende Säule der sozialen Marktwirtschaft — als äußere Rahmenbedingung, die die konstituierenden Prinzipien überhaupt erst funktionsfähig macht. Das bestätigt die Aussage des Blogposts, dass die soziale Marktwirtschaft ohne eine stabile internationale Ordnung nicht überlebensfähig ist.   - Sie ist kein normativer Grundsatz wie die Demokratie. Sie gehört zur regulativen/ermöglichenden Schicht: Der Staat muss als „Hüter der Wettbewerbsordnung" nicht nur die innere, sondern auch die äußere Rahmenbedingung sichern — durch Verteidigung, Diplomatie, Lieferketten-Resilienz und Allianzbildung.
    - Sie ist dogmatisch durch die privilegienfreie Ordnung begrenzt. Geopolitische Maßnahmen müssen dem ordoliberalen Test standhalten: nicht-diskriminierend, rahmenbewahrend, befristet und dem Rent-seeking entzogen. Dabei sind legitime Resilienzmaßnahmen — die systemische Externalitäten oder öffentliche Güter wie Versorgungssicherheit adressieren — ordoliberal tragbar, solange sie wettbewerbsoffen, transparent und überprüfbar bleiben. Illegitim werden sie erst mit Privilegien, Kartellen oder dauerhafter Abschottung.
    - Der ordoliberale Weg zu Sicherheit ist die offene Ordnung. Nach Röpke und dem Ordoglobalismus entsteht geopolitische Sicherheit primär durch eine stabile, regelbasierte, offene internationale Ordnung — durch Integration über Märkte und Recht, nicht durch Abgrenzung. Die reale Fragmentierung der Weltwirtschaft ist daher gerade keine Rechtfertigung für wirtschaftliche Geschlossenheit, sondern ein Anlass, den ordnungsrechtlichen Rahmen aktiv zu verteidigen.

    - Geopolitische Sicherheit darf nicht zum Ausnahmezustand werden. Da der Ordoliberalismus als Reaktion auf Machtkonzentration und Lenkungswirtschaft entstand, muss geopolitische Sicherheit rechtsgebunden und wettbewerbsschonend bleiben — der starke Staat ist nur stark, sofern er an die Verfassung gebunden ist.

    Damit präzisiert sich die Tatsache: Geopolitik ist die dritte Säule — aber eine Säule der Rahmensicherung, nicht des wirtschaftlichen Nationalismus. Die ordoliberale Lehre liefert dafür sowohl die dogmatische Verortung (ermöglichende Rahmenbedingung) als auch die dogmatische Schranke (privilegienfrei, nicht-dirigistisch, rechtsgebunden). Genau diese Spannung auszuhalten — Sicherheit schaffen, ohne die Wettbewerbsordnung zu untergraben — ist die ordoliberale Aufgabe des 21. Jahrhunderts, und sie entspricht Punkt für Punkt die Herausforderungen, die in meinem Blogpost unter der „1. Säule Demokratie" und der „2. Säule Energie" bereits benannt wurde.

  7. Aktuelle Übersicht von wissenschaftlichen Quellen zur internationalen Sicherheitsordnung
    Die ordoliberale Rahmenlogik beschreibt die dogmatische Verortung geopolitischer Sicherheit. Die aktuelle wissenschaftliche Politikforschung liefert dazu den empirisch-analytischen Befund: eine internationale Sicherheitsordnung im Übergang von der unipolaren Nachkriegsordnung zu einer multipolaren, fragmentierten und militarisierten Konstellation. Die folgenden Quellen sind entlang von fünf Themen geordnet; sie umfassen peer-reviewed wissenschaftliche Literatur sowie wissenschaftsnahe Policy-Research- und Institutionenquellen (SWP, SIPRI, MSC, Chatham House, UN, NATO, EU) aus den Jahren 2022–2026 und stützen unmittelbar die These, dass die geopolitische Sicherheit heute eine aktiv herzustellende Rahmenbedingung — nicht mehr eine gegebene Voraussetzung — der sozialen Marktwirtschaft ist.

    a) Strukturwandel der Weltordnung: Multipolarität und Großmachtkonkurrenz
    Der Kernbefund der aktuellen Ordnungsforschung lautet: die liberale internationale Ordnung ist nicht zusammengebrochen, aber „fractured“ und durch eine Konkurrenz unterschiedlicher Ordnungsmodelle abgelöst worden. Das Munich Security Report 2025  trägt den Titel „Multipolarization“ und diagnostiziert, dass „increasing competition among the various ‚poles‘ and their order models is already impeding joint problem-solving“. Der Munich Security Report 2026 („Under Destruction“) warnt vor einer Ära der „wrecking-ball politics“, die die internationale Ordnung „under unprecedented strain“ setze. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) analysiert in „Multipolarities — The World-Order Visions of Others“, dass der Begriff „Multipolarität“ als zentraler, aber hochgradig ambivalenter Bezugspunkt der Weltordnungsdebatte fungiert — deskriptiv, normativ und strategisch zugleich. Chatham House zeichnet in „Competing Visions of International Order“ (2025) nach, wie die USA sich gegen die von ihnen selbst geschaffene liberale Ordnung wenden, die damit „more fractured“ werde. Auf der Theorieebene argumentiert Jennifer Lind („Back to Bipolarity: How China's Rise Transformed the Balance of Power“, dass Chinas Aufstieg das System strukturell in eine bipolare Konkurrenz überführt hat. Eine konzeptionelle Alternative bietet Amitav Acharya mit dem Begriff der „multiplex world order“ — einer nicht-hegemonialen, vernetzten Ordnung ohne dominante Macht (The End of the American World Order). Barry Buzan entwickelt in Making Global Society: A Study of Humankind Across Three Eras.

    b) Europäische Sicherheitsordnung: Russland, Ukraine, NATO und EU
    Russlands kriegerischen Handlungen gegen die Ukraine hat die europäische Sicherheitsordnung nach 1990 de facto zerstört. Die SWP hält fest, dass der Krieg „another attempt by Moscow to reshape — to its own advantage — the rules-based European security order established after the end of the Cold War“ ist (SWP-Dossier). Der Sammelband "Russia's War Against Ukraine and Europe's Peace and Security Order"  analysiert die tiefe Krise der europäischen Friedensordnung. Im "Journal European Security" untersuchen Ondřej Ditrych und Martin Laryš (2025), wie eine europäische Sicherheitsarchitektur nach Russlands Krieg aussehen könnte. Die institutionelle Antwort (als Referenzpunkte der europäischen Strategieentwicklung seit 2022): die NATO Strategic Concept 2022 (Madrid) benennt Russland als direkte Bedrohung und definiert kollektive Verteidigung, Krisenbewältigung und kooperative Sicherheit als Kernaufgaben (NATO); der EU Strategic Compass (März 2022) gibt der Union erstmals eine eigenständige Verteidigungsstrategie bis 2030 (Rat der EU). Das SWP-Kommentar „Strengthening Europe's Defence Capabilities“ kontextualisiert das White Paper on European Defence – Readiness 2030 (März 2025), das gemeinsame Beschaffung und einen Binnenmarkt für Rüstung fordert (SWP). 
    Die Aussagen von oben, sind unter Vorbehalt zu betrachten, da niemand weiss, wie die Tragödie in der Ukraine sich beenden wird.

    c) Geoeconomic Security: Sanktionen, Lieferketten, kritische Technologien
    Die Verschmelzung von Sicherheit und Wirtschaft ist die unmittelbare empirische Bestätigung der These, dass Geopolitik zu einer Rahmenbedingung der Wirtschaftsordnung geworden ist. Der ISPI-Bericht The Rise of Fragmentation (2024) dokumentiert eine Verdreifachung der Foreign Direct Investment (FDI)- und Handelsbeschränkungen seit 2018 und definiert "geoeconomic fragmentation" als „policy-driven reversal of global economic integration … guided by strategic considerations, including national and economic security“ (ISPI/Italienisches Außenministerium). Eine theoretische Fundierung liefern Clayton, Maggiori und Schreger („A Theory of Economic Coercion and Fragmentation“, 2024). Das ifo-Institut fasst die Forschung in einem Geoeconomics-Literaturbericht zusammen, einschließlich des Begriffs der „geoeconomic fragmentation“. 

    d) Rüstung, Konfliktintensität und nukleare Risiken
    Die Datenlage zeigt eine historisch außergewöhnliche Militarisierung. Das SIPRI Yearbook 2025 verzeichnet ein zehntes aufeinanderfolgendes Jahr steigender Militärausgaben, die 2024 mit 2,7 Billionen US-Dollar und einer globalen Militärbelastung von 2,5 % des BIP einen Rekord erreichten; die geschätzte Zahl der Konflikttoten stieg von 188 000 (2023) auf 239 000 (2024), den höchsten Wert im Beobachtungszeitraum (SIPRI; Military expenditure chapter). Das SIPRI-Factsheet Trends in World Military Expenditure 2025 verzeichnet für 2025 2.887 Milliarden US-Dollar — das elfte Wachstumsjahr in Folge.
    Auf der nuklearen Ebene warnen Andrew Futter und Benjamin Zala („The Return of Nuclear Great Power Politics (or why we stopped worrying about terrorists and the bomb)“ vor der Entstehung einer „genuinely multipolar nuclear order“: zum ersten Mal seien alle Pole des internationalen Systems Atommächte, was die Rüstungskontrolle vor eine qualitativ neue Aufgabe stelle. Im IISS-Journal Survival analysiert Alexei Arbatov die Herausforderungen der Rüstungskontrolle in einer multipolaren Welt.

    e) Institutionelle Ordnung: UN, Völkerrecht, multilaterale Legitimität
    Die institutionelle Infrastruktur der Weltordnung steht unter Legitimitätsdruck. in 2023 der UN-Generalsekretär konstatiert in „A New Agenda for Peace“: „the post-Cold War period is over, and we are moving towards a new global order and a multipolar world“ und fordert eine Neuausrichtung der multilateralen Friedensarchitektur. Die empirische Legitimitätsforschung zeigt eine fragwürdige Akzeptanz: Chu, Holbig, Narlikar und Plagemann in („In the Eyes of the Beholders: The Legitimacy of Global Governance Institutions under Multipolarity“ belegen, dass die Legitimität globaler Institutionen unter multipolaren Bedingungen ungleich verteilt und je nach Wahrnehmungsstandpunkt verschieden ist.

    Synthese über die internationale Sicherheitsordnung als empirische Bestätigung
    Der aktuelle Forschungsstand bestätigt die ordoliberale These aus drei Richtungen: 
    - Erstens: ist die internationale Rahmenbedingung der Marktwirtschaft nicht mehr stabil gegeben, sondern aktiv fragmentiert (Multipolarisierung, "geoeconomic fragmentation"). 
    - Zweitens: ist die Verschränkung von Wirtschaft und Sicherheit strukturell geworden — Sanktionen, Lieferketten, kritische Technologien sind zu Instrumenten der Sicherheitspolitik geworden. 
    - Drittens:
     die Institutionen wie NATO, EU und UN
     reagieren mit neuen Strategien (Strategic Concept, Strategic Compass, New Agenda for Peace, White Paper - Readiness 2030), die genau jene „Rahmensicherung“ beschreiben, die der ordoliberale dritte Säule fordert — aber, wie in oben argumentiert, dem anti-protektionistischen Test unterliegen müssen. Die internationale Sicherheitsordnung ist damit empirisch wie dogmatisch als dritter ermöglichender Säule der sozialen Marktwirtschaft ausgewiesen.

  8. Ein mögliches Modell für die Zukunft: Ordoliberalismus + KI + Demokratie
    Hier lassen sich die drei Konzepte miteinander verbinden:
    - Die Humanökologie fragt: innerhalb welcher ökologischen Grenzen kann die menschliche Gesellschaft existieren?
    - Die Demokratie fragt: wer entscheidet in der Gesellschaft?
    - Der Ordoliberalismus fragt: welche institutionellen Regeln verhindern, dass konzentrierte Wirtschaftsmacht Freiheit und Wettbewerb zerstört?
    - Die KI fügt hinzu: Wer kontrolliert die Informations- und Recheninfrastruktur, über die Menschen entscheiden?
    Als Folge die Interaktion von 
    Ordoliberalismus, KI und Demokratie ergit ein viel umfassenderes Modell:

    Ökologische Grenzen -> Demokratische Entscheidung -> Verfassungsrechtliche/rechtsstaatliche Beschränkungen -> Wettbewerbsorientierte Wirtschaftsordnung -> Verteilte technologische Macht -> Menschliche Autonomie

    Dies ist potenziell ein wirkungsvoller Rahmen für eine ökologische Demokratie des 21. Jahrhunderts. 
    Man behandelt Demokratie, Wirtschaft, Technologie und Ökologie als ein miteinander verbundenes institutionelles System und nicht als getrennte Politikbereiche.
     
  9. Schlussfolgerungen
    Die Ausgangsfrage des Blogposst vom Dezember 2020 argumentierte, dass die soziale Marktwirtschaft auf zwei Säulen ruht — Demokratie und Energie — und warnte vor den Gefahren einer multipolaren Welt. Die vorliegende Untersuchung nimmt diesen Gedanken auf und beantwortet die Frage, ob die geopolitische Lage als dritter Säule der sozialen Marktwirtschaft gelten kann: dogmatisch begründet durch die ordoliberale Rahmenlogik , empirisch gestützt durch die aktuelle internationale Sicherheitsforschung.
    Da der Ordoliberalismus selbst als Reaktion auf Machtkonzentration, Interessengruppenstaat und Lenkungswirtschaft entstand, liefert er eine weitere dogmatische Warnung: geopolitische Sicherheit darf nicht zum Ausnahmezustand werden. Der starke Staat ist nur stark, sofern er an eine Verfassung gebunden ist. Die Versuchung, unter dem Druck äußerer Bedrohung die ordnungsrechtlichen Schranken zu suspendieren, ist genau jene Gefahr, vor der die Freiburger Schule warnen musste. Sicherheit schaffen, ohne die Wettbewerbsordnung zu untergraben — das ist die ordoliberale Aufgabe des 21. Jahrhunderts.
    Die drei Säule sind nicht gleichartig: Demokratie ist normativer Grundsatz, Energie und geopolitische Sicherheit sind ermöglichende Rahmenbedingungen. Aber sie sind untrennbar. Eine soziale Marktwirtschaft, die ihre demokratische Legitimation verliert, verliert ihre rechtfertigende Grundlage; eine, die ihre materielle Energiebasis zerstört, verliert ihre Handlungsfähigkeit; eine, die ihre äußeren Sicherheitsrahmenbedingungen nicht sichert, verliert die Bedingungen, unter denen ihre konstituierenden Prinzipien überhaupt funktionieren. Die geopolitische Lage kann und sollte daher als dritte Säule der sozialen Marktwirtschaft begriffen werden — als Säule der Rahmensicherung, gebunden an die dogmatische Schranke der privilegienfreien Ordnung.

Mehr Informationen:

  1. About Switzerland (Federal Department of Foreign Affairs) — "Direct Democracy" — https://www.aboutswitzerland.eda.admin.ch/en/direct-democracy
  2. Acharya, Amitav — "The End of the American World Order" - https://academic.oup.com/psq/article-abstract/130/1/141/6849034?login=false
  3. Arbatov, Alexei — „Controlling Nuclear Arms in a Multipolar World" - https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00396338.2024.2432195?scroll=top&needAccess=true
  4. Buzan, Barry — "Making Global Society: A Study of Humankind Across Three Eras" - https://api.pageplace.de/preview/DT0400.9781009372176_A47731320/preview-9781009372176_A47731320.pdf
  5. British Academy / Carnegie Endowment — „Fragmentation, Securitisation and Interdependencies" - https://www.thebritishacademy.ac.uk/documents/6275/Fragmentation_Securitisation_and_Interdependencies_in_the_Global_Economy.pdf
  6. Cambridge University Press — "Free to Choose: E-voting, Infrastructure and the Origins of Estonia's Digital Republic" — https://www.cambridge.org/core/journals/contemporary-european-history/article/free-to-choose-evoting-infrastructure-and-the-origins-of-estonias-digital-republic/4A59FC654A185D9B8C3D3BBB6B5AC793
  7. Carnegie Endowment — „Geopolitics and Economic Statecraft in the European Union" (2024) - https://assets.carnegieendowment.org/static/files/Geopolitics%20and%20Economic%20Statecraft%20in%20the%20European%20Union-2.pdf
  8. Chatham House — „Competing Visions of International Order" (2025) - https://www.chathamhouse.org/sites/default/files/2025-03/2025-03-27-competing-visions-international-order-vinjamuri-et-al.pdf
  9. Chu, Shirley / Holbig, Heike / Narlikar, Amrita / Plagemann, Johannes — „In the Eyes of the Beholders: The Legitimacy of Global Governance Institutions under Multipolarity" - https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/103056/ssoar-intstudq-2024-2-chu_et_al-In_the_Eyes_of_the.pdf?sequence=1&lnkname=ssoar-intstudq-2024-2-chu_et_al-In_the_Eyes_of_the.pdf
  10. Clayton, Chris / Maggiori, Matteo / Schreger, Jesse — „A Theory of Economic Coercion and Fragmentation" - https://www.bis.org/publications/working-paper-1224-theory-economic-coercion-and-fragmentation.pdf
  11. Ditrych, Ondřej / Laryš, Martin — „What can European security architecture look like in the wake of Russia's war on Ukraine?" - https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09662839.2024.2347221
  12. e-Estonia — "e-Democracy & open data" — https://e-estonia.com/service/e-governance/e-democracy/
  13. Encyclopaedia Britannica — "Democracy" —  https://www.britannica.com/topic/democracy
  14. Eucken Institute — "Ordoliberalism and the Social Market Economy" (Discussion Paper 21/05) — https://www.eucken.de/app/uploads/Discussionpaper_2105.pdf
  15. Eucken, Walter — "Grundsätze der Wirtschaftspolitik" - https://d-nb.info/900823615/04
  16. European Parliament — "Artificial Intelligence Act: MEPs adopt landmark law" (13 March 2024) — https://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20240308IPR19015/artificial-intelligence-act-meps-adopt-landmark-law
  17. Futter, Andrew / Zala, Benjamin — „The Return of Nuclear Great Power Politics (or why we stopped worrying about terrorists and the bomb)" - https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/CE7BE8FA9EDB268C5B1F43392C827935/S2057563724000440a.pdf/div-class-title-the-return-of-nuclear-great-power-politics-or-why-we-stopped-worrying-about-terrorists-and-the-bomb-div.pdf
  18. Freedom House — Freedom in the World 2024 — https://freedomhouse.org/sites/default/files/2024-02/FIW_2024_DigitalBooklet.pdf
  19. ifo Institut / CESifo — Literaturbericht „Geoeconomics" - https://www.ifo.de/sites/default/files/docbase/docs/cesifo1_wp11564.pdf
  20. International IDEA — "Safeguarding Democracy: EU Development at the Nexus of Elections, Information Integrity and Artificial Intelligence" (2025) — https://www.idea.int/news/safeguarding-democracy-eu-development-nexus-elections-information-integrity-and-artificial
  21. ISPI — „The Rise of Fragmentation" - https://www.ispionline.it/wp-content/uploads/2024/11/Rise-of-Fragmentation_WEB.pdf
  22. KNOCA — "French Citizens' Convention on the Climate" — https://knoca.eu/national-assemblies/french-citizens-convention-on-the-climate
  23. Lind, Jennifer — „Back to Bipolarity: How China's Rise Transformed the Balance of Power" - https://www.belfercenter.org/sites/default/files/2024-11/003-isec_a_00494-Lind.pdf
  24. Munich Security Report 2025: „Multipolarization" - https://securityconference.org/assets/02_Dokumente/01_Publikationen/2025/MSR_2025/Multipolarization_%E2%80%93_Munich_Security_Report_2025.pdf
  25. Munich Security Report 2026: „Under Destruction" - https://securityconference.org/assets/02_Dokumente/01_Publikationen/2026/MSR2026/Under_Destruction%E2%80%93Munich_Security_Report_2026.pdf
  26. NATO — Strategic Concept 2022 (Madrid-Gipfel, 29. Juni 2022) - https://www.nato.int/en/about-us/official-texts-and-resources/strategic-concepts/nato-2022-strategic-concept
  27. Niemann, Holger / Schröder, Ursula (Hg.) — "Russia's War Against Ukraine and Europe's Peace and Security Order" - https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/97622/ssoar-2024-niemann_et_al-European_Security_in_Times_of.pdf
  28. Oxford Academic — "Electoral rules, class coalitions and welfare state regimes" (Socio-Economic Review, 2009) — https://academic.oup.com/ser/article/7/1/101/1693660
  29. Participedia — "Irish Citizens' Assembly: the Eighth Amendment" — https://participedia.net/case/irish-citizens-assembly-the-eighth-amendment
  30. Rat der Europäischen Union — Strategic Compass for Security and Defence (März 2022) - https://www.consilium.europa.eu/de/policies/strategic-compass/
  31. Röpke, Wilhelm — International Order and Economic Integration - https://link.springer.com/book/10.1007/978-94-010-3692-4
  32. Satvanyi, Ernst-Nikolaus — "Das Postulat der Humanökologie" - http://satvanyi.50webs.com/soekolog.html
  33. Satvanyi, Ernst-Nikolaus — "Welche sind die zwei Säulen der sozialen Marktwirtschaft?" - https://satvanyi.blogspot.com/2020/12/ 
  34. SIPRI Yearbook 2025: Armaments, Disarmament and International Security - https://www.sipri.org/yearbook/2025 
  35. SIPRI — „Trends in World Military Expenditure, 2025" (Fact Sheet, 2026) - https://www.sipri.org/publications/2026/sipri-fact-sheets/trends-world-military-expenditure-2025
  36. Slobodian, Quinn — Globalists: "The End of Empire and the Birth of Neoliberalism" - https://academic.oup.com/ahr/article-abstract/123/5/1615/5221095?login=false
  37. Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) — „Multipolarities: The World-Order Visions of Others" (Stiftung Wissenschaft und Politik) - https://www.swp-berlin.org/publications/products/research_papers/2026RP08_Multipolarities.pdf
  38. Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) — „Strengthening Europe's Defence Capabilities through Clear Tasks and Objectives" (2025) - https://www.swp-berlin.org/10.18449/2025C38/
  39. SWP-Dossier — „Russia's War against Ukraine and its Consequences: European Security Order" - https://www.swp-berlin.org/en/topics/dossiers/russias-war-against-ukraine-and-its-consequences
  40. UN-Generalsekretär — „A New Agenda for Peace" (Policy Brief 9, 20. Juli 2023) - https://www.un.org/sites/un2.un.org/files/our-common-agenda-policy-brief-new-agenda-for-peace-en.pdf
  41. V-Dem Institute — Democracy Report 2024: "Democracy Winning and Losing at the Ballot" — https://www.v-dem.net/documents/43/v-dem_dr2024_lowres.pdf
  42. Vanberg, Viktor — „The Freiburg School: Walter Eucken and Ordoliberalism" (Walter Eucken Institut). - https://www.econstor.eu/bitstream/10419/4343/1/04_11bw.pdf

Anmerkung: Der Blog ist mit mit der Hilfe von Perplexity / Claude erstellt worden.


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